Unter dem Dach der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) "Brückenland Bayern-Böhmen | Südlicher Oberpfälzer Wald-Český les", der Nachfolgeorganisation der LAG "Oberviechtacher & Schönseer Land", schlossen sich im Jahr 2007 zwölf Kommunen aus den Landkreisen Schwandorf und Neustadt an der Waldnaab zusammen. Zusammen mit der Mikroregion Dobrohost, die aus acht tschechischen Kommunen im nördlichen Teil des ehemaligen Landkreises Domažlice besteht, bildet das "Brückenland Bayern-Böhmen" eine grenzüberschreitende Region mit der gemeinsamen Dachorganisation "Aktiv über Grenzen - Aktivně přes hranice" (siehe auch Rubrik "LAG - Aktiv über Grenzen")
Freiraum für Natur, Kultur und Erholung
Gemeinsam haben die Mitgliedskommunen der LAG Brückenland Bayern-Böhmen und der tschechischen Partnerregion Dobrohost knapp 26.750 Einwohner (Stand 2006) bei einer Fläche von über 640 km². Damit liegt die Bevölkerungsdichte weit unter dem Durchschnitt der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik. Umso mehr Raum bleibt hier für intakte Natur- und Kulturlandschaften, für Freizeit und Erholung.
Die ökologisch äußerst wertvollen Gebiete wie das Kulzer Moos, der Hochfels in Stadlern oder die Flussauenlandschaften an Schwarzach, Ascha, Murach und Mierbach erhalten durch geeignete Besucherleitmaßnahmen (Naturlehrpfade, ökologische Führungen) auch eine touristische Dimension.
Spuren der ältesten Geschichte
Besonders im westlichen und südlichen Teil der LAG Brückenland Bayern-Böhmen weisen archäologische Funde weit in die Vorgeschichte zurück. Steinzeitliche Jägerstationen lassen sich im Schwarzachtal nachweisen. Mittelalterliche slawische Siedlungsreste in Teunz, Girnitz und insbesondere in der einzigartigen Ausgrabungsstätte Dietstätt bei Schwarzach b. Nabburg verweisen auf das lange im Verborgenen gebliebene, höchst spannende Kapitel der slawischen Besiedlung der Oberpfalz. Burgen bzw. Burgruinen wie Altenthannstein, Wildstein, Haus Murach, Frauenstein und Reichenstein sowie ihr böhmisches Gegenstück Starý Herštejn (Alt Hirstein), die an historischen Handelswegen wachten, zeugen von der wechselhaften Geschichte des bayerisch-böhmischen Grenzlandes.
Wasser und Holz - Energiequellen für historsiche Hütten, Hämmer und Schleifen
Die Flussläufe mit ihrem Energiereichtum waren Voraussetzung für die industrielle Entwicklung der Region im Mittelalter. Glasschleifen, Glashütten und Eisenhämmer reihten sich entlang der Flüsse, besonders prägnant vom Rosenthal westlich von Schönsee bis zur Wagnermühle östlich von Dietersdorf nahe der Grenze. Wasserkraft und reiche Holzvorkommen bildeten auch in der Mikroregion Dobrohost die Basis für die Glasindustrie in Hütten und Schleifen. Ortsnamen wie Karlbachhütte / Karlová Hut’ oder Unterhütte / Dolní Hut’, Mauerreste und glitzernde Glasstücke an den ehemaligen Standorten der Hütten legen Zeugnis ab von der früheren Bedeutung dieses Industriezweigs. Kanäle und von Turbinen betriebene Wasserkraftanlagen als Nachfolgenutzung zeugen noch heute von diesem regionstypischen historischen Wirtschaftszweig.
Gold, Uran und Flussspat
Eine „goldene“ Zeit gab es im Mittelalter östlich von Oberviechtach, wo an mehreren Stellen Gold gefunden und über lange Zeit gewinnbringend aus dem Gestein ausgewaschen wurde. Die Stadt Oberviechtach hat den mittelalterlichen Goldabbau aufgegriffen und im LEADER+ geförderten Stadtmuseum mit künftiger Außenstelle sehr anschaulich dargestellt. Ausstellungen, wissenschaftliche Symposien mit internationaler Besetzung und „Goldmarketing“ locken Fachpublikum und Touristen.Im Gebiet um Wölsendorf im Naabtal war es der Flussspat, der im 20. Jahrh. (1937 bis 1953) abgebaut wurde. Der für Besucher geöffnete 320 m langer Heinrich-Kocher-Stollen zeigt die Techniken des Flussspatabbaus früherer Tage. In der Nachbargemeinde Altendorf war es Uran, das exploriert wurde.
Jakobsweg Prag - Nürnberg
Der Jakobsweg Prag-Nürnberg ist eine der verbindenden Achsen der LAG Brückenland Bayern-Böhmen und der Mikroregion Dobrohost. Von Prag kommend führt der mit der Signatur I24 markierte Jakobsweg in der Stadt Hostouň an der St. Jakobskirche vorüber nach Bělá nad Radbuzou mit der bekannten, skulpturengeschmückten Steinbrücke und weiter zum Grenzübergang Železná / Tillyschanz. Über Eslarn, Teunz mit dem Jakobskirchlein bei Fuchsberg, das Gemeindegebiet Niedermurach, Guteneck mit seinem malerischen Schloss und die Jakobskirche in Willhof bei Altendorf durchquert der Jakobsweg die LAG Brückenland Bayern-Böhmen. Seit 2003 ist der Abschnitt Prag-Nürnberg durchgehend markiert, auf deutscher Seite auch mit dem Symbol der Jakobsmuschel.
Ländlicher Raum mit reichem Kulturleben
Eine Fülle von Kulturveranstaltungen, Freilichtspiele in Oberviechtach und Schönsee, Programme von Kulturvereinen und Kulturveranstaltungen privater Träger (z.B. Dietersberger Scheune, Schloss Guteneck) zeichnen das Brückenland Bayern-Böhmen als Kulturregion aus. Das Centrum Bavaria Bohemia, Schönsee, als Kulturdrehscheibe, Kontaktbörse und grenzüberschreitender Vernetzungsort und das Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum in Oberviechtach gehören zu den mit LEADER+ Förderung realisierten Aushängeschildern der Region.
Das Erbe der Vergangenheit bietet für kultur- und geschichtsinteressierte Touristen und Einheimische wahre Fundgruben: Kirchliche oder profane Baudenkmäler, die Glasschleifen-, Eisenhämmer- und Mühlenketten an den Flussläufen, denkmalgeschützte Stadtensembles, in Felsen gehauene Bierkeller, Kleindenkmäler oder Orte der Nachkriegsgeschichte, wie das verlassene Dorf „Bügellohe“…
Spitzenklöppeln - Renaissance alter Textilkunst
Überregionale, ja internationale Beachtung findet die Spitzenklöppelkunst. Schönsee, Stadlern und Tiefenbach als frühere staatliche Klöppelschulstandorte zählen zu den ostbayerischen Zentren dieser zunehmend Anhänger findenden Textilkunst. Besonders die Klöppelkurse führen jedes Jahr eine große Zahl von Klöpplerinnen nach Schönsee. Weltweit hat sich der Klöppelshop im Schönseer Kaufhaus Köck einen Namen gemacht. Jährliche Klöppelspitzenausstellungen des Klöppelkreises Schönsee-Stadlern-Tiefenbach in Zusammenarbeit mit der Stadt Schönsee ziehen Tausende von Besuchern an und belegen, dass Spitzenklöppeln alles andere als „verstaubt“ ist, sondern zur Avantgarde der Textilkunst aufgerückt ist.
Zoiglbier und Felsenkeller
Eine andere Handwerkskunst, die Braukunst, hat in der Region Brückenland Bayern-Böhmen eine lange Tradition. Sehr verbreitet waren einst kleine Privatbrauereien und die „Kommunbrauereien“, in denen die brauberechtigten Bürger gemeinschaftlich Bier brauten. Von den großen Kommunbrauhäusern gibt es noch zwei in der Region Brückenland Bayern-Böhmen. Das Schönseer Kommunbrauhaus schloss in den 1950er Jahren und beherbergt heute das Centrum Bavaria Bohemia. Das Eslarner Kommunbrauhaus ist dagegen heute noch in Betrieb und beteiligt sich mit seinem „Rebhuhn-Zoigl“ an dem Projekt „Das Rebhuhn im Oberpfälzer Wald“ mit extensiv bewirtschafteten Anbauflächen in Tännesberg und Gleiritsch.
Untrennbar mit dem Bierbrauen, ob privat oder genossenschaftlich, sind die allerorts vorhandenen Bierkeller verbunden. Diese meist in Felsen gehauenen Keller, manchmal auch ausgemauert, sind unterirdische Juwele der Region, deren Wert und Erlebnispotential inzwischen erkannt wird und künftig genutzt werden soll.
Faszierendes Land an der Grenze
Den Landstrich am Eisernen Vorhang, bis 1989 hermetisch abgeriegelt, hat sich die Natur ungestört erobern können. Zahlreiche Dörfer nahe der Grenze wurden nach der Aussiedlung ihrer deutschen Bewohner geschliffen. Ihre Reste sind heute noch in der Landschaft zu finden. Das grüne Band entlang der Grenze hat für die LAG Brückenland Bayern-Böhmen einen hohen Wert und ist Verknüpfungszone zwischen dem Naturpark Oberpfälzer Wald und dem Landschaftsschutzgebiet (CHKO) Český les.
Land- und Forstwirtschaft für den Erhalt der Kulturlandschaft
Das Brückenland Bayern-Böhmen ist eine überdurchschnittlich stark land- und forstwirtschaftlich geprägte Region. Die ökologisch wertvolle, historisch gewachsene Kulturlandschaft prägt das Bild der Landschaft und bildet die Grundlage für naturbezogenen Tourismus. Sie kann nur durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung erhalten werden.
In der Landwirtschaft sind auf bayerischer Seite kleinere und mittlere Familienbetriebe bis 20 ha überdurchschnittlich stark vertreten. Sie erfüllen wichtige Funktionen für die Landschaftspflege, da sie die Bewirtschaftung relativ kleiner Parzellen und den Erhalt der vielfältigen, ökologisch wertvollen und ästhetisch ansprechenden Kulturlandschaft gewährleisten.Hochwertige Erzeugnisse aus der regionalen Landwirtschaft werden u.a. durch die seit über 10 Jahren im aktive Direktvermarkterinitiative land&gut vermarktet (z.B. Bauernmarkt in Schönsee jeden Freitag).
Fall des Eisernen Vorhangs als Chance nutzen
Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 war besonders für die Regionen beiderseits der Grenze ein Ereignis höchster historischer Dimension und eine Zäsur mit weitreichenden Auswirkungen. Gut 17 Jahre nach der Wende sind die Folgen der jahrzehntelangen Randlage noch vielerorts spürbar. Der Beitritt Tschechiens zur EU und zum Schengen-Abkommen gab den grenznahen Regionen zusätzliche Motivation, die sich aus der Grenzlage ergebenden Chancen aktiv zu ergreifen und die „Altlasten“ zu überwinden. Zahlreiche erfolgreiche Partnerschaften von Gemeinden, Schulen und Vereinen, persönliche Beziehungen, grenzüberschreitende Initiativen, Projekte und Veranstaltungen sowie nicht zuletzt die Gründung eines gemeinsamen, grenzüberschreitenden regionalen Verbundes sind das Ergebnis.
Zusammenarbeit über Grenzen
Bayerische Mitgliedskommunen der LAG Brückenland Bayern-Böhmen sind Altendorf, Markt Eslarn, Guteneck, Niedermurach, Stadt Oberviechtach, Stadt Schönsee, Schwarzach bei Nabburg, Stadlern, Teunz, Thanstein, Weiding und der Markt Winklarn. Die deutschen Mitgliedsgemeinden gehören den Verwaltungsgemeinschaften Schönsee, Oberviechtach, Nabburg, Schwarzenfeld, Neunburg vorm Wald an. Der Markt Eslarn und die Stadt Oberviechtach sind selbständige Kommunen. Die Gemeinden liegen im östlichen Teil des Landkreises Schwandorf und im südöstlichen Landkreis Neustadt an der Waldnaab (Markt Eslarn). Mitglieder der tschechischen Partnerregion Dobrohost sind Stadt Bělá nad Radbuzou, Drahotín, Stadt Hostouň, Hora Svatého Václava, Mnichov, Mutěnín, Stadt Poběžovice und Rybník (s. Rubrik "Region - Mikroregion Dobrohost")




